Zwei gute deutsche Schauspieler sind gegangen, in zwei verschiedenen Ländern aufgewachsen und zu verschiedenen Zeiten populär geworden.
Angelica Domröse und Günther Maria Halmer.
Verstorbene Persönlichkeiten.
- Bares
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- Hank
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Re: Verstorbene Persönlichkeiten.
Noch einer und das viel zu früh:
Nicht nur ein Kommissar, sondern auch ein Philosoph


Nicht nur ein Kommissar, sondern auch ein Philosoph

Der Schauspieler Alexander Held verlieh seinem Schaller in „München Mord“ unwiderstehlichen Retro-Charme und spielte Nazis in „Schindlers Liste“ oder „Sophie Scholl“. Nun ist er mit 67 Jahren gestorben.
Auf die Intuition von Herrn Schaller war Verlass. Wenn der eigenwillige Kriminalhauptkommissar in seinem Columbo-Gedächtnis-Trenchcoat diesen gewissen Blick aufsetzte, als sei gerade ein Geist in ihn gefahren, und er sich dann auf den Boden legte oder mit unsichtbaren Feinden kämpfte oder sich anderweitig in einen Toten und dessen letzten Stunden hineinversetzte, dann mochten ihn Außenstehende für ein bisschen plemplem halten. Sein Team und wir Zuschauer aber wussten: Jetzt hat „der Ludwig“, von manchen nicht ganz grundlos „der Irre“ genannt, wieder eine Vision, und die wird am Ende zur Aufklärung der Tat führen, so wie in jeder Folge der ZDF-Serie „München Mord“, deren kauziger Chef-Ermittler er war.
Zusammen mit dem notorischen Stenz Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) und der Ukulele spielenden Kollegin Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) bildete dieser von Alexander Held so grandios skurril gespielte Ludwig Schaller das schrägste, liebenswürdigste, außergewöhnlichste Kommissars-Trio des deutschen Fernsehens. Von ihrem Kellerbüro aus ermittelten sie mit höchst unorthodoxen Methoden in Fällen, die immer auch Geschichten über München erzählten, mit viel Witz, Grant und Melancholie. Und der gebürtige Münchner Held war der stille Held der Reihe, sein stets freundlicher Schaller nicht nur ein Kommissar, sondern auch ein Philosoph. Ein lebenskluger Menschenversteher. Mit seinem schönen Münchnerisch, diesem warmen Wohlklang in der Stimme, sprach Held - oft auch als Erzähler aus dem Off - Sätze wie Weisheiten aus, etwa wenn sein Schaller befand: „Manchmal wohnt die Gerechtigkeit in einem Zimmer, zu dem die Justiz keinen Schlüssel besitzt“. Dass Ludwig Schaller einen Gelbwurst-Tick hatte, Handküsse verteilte und die Kollegin den modernen Zeitläuften zum Trotz als „Fräulein Flierl“ ansprach, gehörte zum unwiderstehlichen Retro-Charme, den Held seiner Figur verlieh.

Das Gegenteil zum rechten Totalitarismus ist nicht der linke Totalitarismus, sondern die liberale Demokratie. (Odo Marquard, "Skepsis als Philosophie der Endlichkeit", in "Zukunft braucht Herkunft", Reclam, 2015